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Aufgetaucht

1. Dezember 2017

Es war nicht nur ein außergewöhnlich langes, sondern vor allem ein aufregendes Jahr: KOMPAKTMEDIEN lieferte die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für das Wissenschaftsjahr 2016*17 – Meere und Ozeane des Bundesforschungsministeriums. Nach 20 Monaten mit vielen Wortspielen, stürmischen Strandtagen und atemberaubenden Einblicken in die Welt der Meere und Ozeane ziehen unsere Presse-Profis Bilanz.

Von Iris Möbius und Christine Rutke

„Entdecken. Nutzen. Schützen“ war das Motto des Wissenschaftsjahres Meere und Ozeane. Mit der Initiative des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) sollten die Menschen in Deutschland, und vor allem auch jene fernab der Nord- und Ostseeküste, für unsere Meere begeistert werden. Es galt, ihnen zu zeigen, warum diese Gewässer für uns alle so wichtig sind, und was jeder einzelne dafür tun kann, um sie zu erhalten. Um diese Aufgabe anzupacken, fanden sich im Presseteam von KOMPAKTMEDIEN Christine Rutke und Iris Möbius zusammen: die eine Wissenschaftsjahr- und PR-erfahren, die andere Geologin mit Einblick in die Welt der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, deren Arbeit und Forschungserbnisse wir ins Licht der Öffentlichkeit rücken wollten.

Mit dem Ende des Jahres 2017 wird das Wissenschaftsjahr Meere und Ozeane nun zu Ende gehen. Der Auftakt Anfang Juni 2016 scheint unendlich lange zurückzuliegen. Denn in der Zwischenzeit ist viel passiert, und wir haben viel dazu gelernt, sei es bei Fragen, was denn eigentlich „Meeresschnee“ ist, und wie man Journalisten dazu bringt, über Schwämme auf dem Meeresboden unter dem arktischen Eis zu berichten. Hinter uns liegen knapp zwei spannende und abwechslungsreiche Jahre, nach denen wir auf viele Highlights zurückblicken können.

Mehr Meer geht immer

Doch um so viele Highlights hervorzubringen, bedurfte es zunächst außergewöhnlicher Ideen, vieler Geistesblitze und des langen Atems unzähliger Abstimmungsrunden. Mit welchen Mitmach-Aktionen würden wir bundesweite Aufmerksamkeit auf das Wissenschaftsjahr lenken, womit würden wir vor allem Kinder und Jugendliche erreichen? Die Konzeptionsphase hielt uns alle auf Trab und war zuweilen ganz schön nervenaufreibend, aber schließlich legte sie den Grundstein für das, was im Wissenschaftsjahr passieren und uns in den kommenden Monaten in der Presse- und Medienarbeit beschäftigen würde. Als das geschafft war, konnte das Wissenschaftsjahr endlich die Schwimmflossen anschnallen und ins Wasser springen. Bildlich gesprochen. Übrigens: Wortspiele waren einer der amüsanten Nebeneffekte des Meere-und-Ozeane-Themas. „Mehr Meer“ ging immer…

Von Strandforschern und Plastikpiraten

Einer der ersten Höhepunkte war sicherlich die Jugendaktion „Plastikpiraten“ im Herbst 2016. Bei diesem Bürgerwissenschaftsprojekt machten sich Jugendliche aus ganz Deutschland auf, ihre heimischen Flüssen und Bäche auf Plastikmüll zu untersuchen. Denn der Müll in den Flüssen landet irgendwann im Meer. Da Jugendliche, Umweltverschmutzung und Plastikmüll ein sehr bildstarkes und medienaffines Thema bilden, verknüpften wir zunächst teilnehmende Gruppen mit der lokalen Presse, die dann über die Aktionsdurchführung in ihrer Region berichtete. Die Aktion lief so gut, sowohl was die teilnehmenden Gruppen als auch das Medienecho anging, dass das BMBF entschied, die Aktion im Frühjahr 2017 zu wiederholen. Obwohl wir damit erneut acht arbeitsintensiven Wochen entgegensahen, freuten wir uns darüber. Denn diese tolle Aktion zu betreuen hat viel Spaß gemacht, vor allem, als wir in den Medienberichten oder über die Lehrerinnen und Lehrer hörten, wie nachhaltig sich die Einstellung der Jugendlichen zu Plastikmülldurch die Teilnahme am Plastikpiraten-Projekt geändert hat. Und auch an uns ist die intensive Beschäftigung mit der Thematik nicht spurlos vorbeigegangen: Wir nehmen die Unmengen Plastik in unserem Alltag viel bewusster wahr und versuchen vermehrt, die Verwendung von Plastik zu vermeiden.

Nachwuchs-Forscher in Aktion: Palstikpiraten untersuchen die Ostsee.

Ein weiterer Höhepunkt wartete im Sommer 2017 auf uns. Die Aktion „Mein mobiles Küstenlabor“ ist 2016 ebenfalls so erfolgreich gelaufen, dass sie wiederholt werden sollte. Sozusagen „on top“ gab es in diesem Jahr eine Sommertour durch acht Küstenorte. Dort verteilten wir tausende mobile Küstenlabore an kleine Strandforscher. Die Sets mit Kescher, Becherlupe und Forschungsanleitung konnten die Kinder bei kurzen Strandexpeditionen direkt ausprobieren. Die lokale Presse war von der Aktion ebenso begeistert wie die zahlreichen Nord- und Ostseetouristen: Beim Auftakt in Zingst wurde unser Stand trotz katastrophalem Wetter von Kindern und ihren Eltern oder Großeltern fast überrannt, zudem flatterten jede Menge Presseakkreditierungen im Postfach ein. Und auch wenn das Wetter weiter wechselhaft blieb, so war es doch unglaublich schön, die vielen strahlenden Kinderaugen zu sehen, wenn sie ihr Forscherset entgegennahmen.

Das Projekt Plastikpiraten verknüpfte die Themen Jugend und Umweltschutz miteinander.

Von Stören und einem Zeppelin

Nebenbei hielten uns die zahlreichen Förderprojekte im Wissenschaftsjahr auf Trab, die wir bei ihrer eigenen Pressearbeit bei Bedarf unterstützten. So verschickten wir ein Vielfaches an Pressemitteilungen zu Projekten, die unter der Förderrichtlinie des Wissenschaftsjahres gefördert wurden, als solche zu Wissenschaftsjahr-eigenen Aktionen. Oft mussten diese in Nacht- und Nebelaktionen – oder zumindest innerhalb weniger Stunden – fertiggestellt werden.

Aber auch unter den Förderprojekten gab es für uns beide einige tolle Highlights. Im Rahmen des Projektes „Wanderfisch“ konnten wir Jungstöre in die Wildnis entlassen: Christine verhalf in Lebus Stör 114, getauft auf den Namen Franz, in die Oder, und Iris setzte Stör 446, getauft auf den Namen Emma, in Geesthacht in die Elbe. Störe, auch das lernten wir im Wissenschaftsjahr, sind Urzeitfische, die zum Laichen aus dem Meer in Flusssysteme wandern, und zwar immer genau dorthin, wo sie geboren wurden. Durch die zunehmende Industrialisierung und schlechte Wasserqualität waren sie in Deutschland ausgestorben. Dank besserer Bedingungen werden sie nun wiederangesiedelt. Auf dem Flughafen Berlin-Schönefeld war Christine mit dabei, als die Expedition „Uhrwerk Ozean“ startete. Unvergessen der Moment, als sich der Zeppelin mit riesigem Wissenschaftsjahr-Logo spektakulär in die Lüfte erhob, um nach einigen Rundflügen über Berlin zur Forschungsexpedition gen Ostsee aufzubrechen.

Von Wissenschaftlern und Forschungsschiffen

Natürlich waren wir nicht ausschließlich mit der Pressearbeit für Projekte und Aktionen im Wissenschaftsjahr beschäftigt. Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit war es auch, die vielen spannenden Themen der aktuellen Meeresforschung in die Medien und damit in die Öffentlichkeit zu bringen. Kontinuierlich verfolgten wir die Pressemitteilungen der deutschen Forschungsinstitute, standen im Austausch mit deren Pressestellen und Wissenschaftlern: immer auf der Suche nach kuriosen, überraschenden und faszinierenden Geschichten, die wir an die Medien vermitteln können. Und derer gab es viele: Meeresschnee, schwarze Raucher, Mangroven und Flügelschnecken sind nur einige davon. Besonders erfolgreich waren wir bei der Vermittlung von Hörfunkinterviews mit charismatischen Experten. Ein weiterer Schwerpunkt waren Kinder- und Jugendmedien. Hier konnten wir Artikel in der UNICUM, der Studentenzeitschrift Audimax und dem Kindermagazin des Sparkassenverlags „Hallo Kids“ platzieren. Genauso gelang es uns aber auch, große Publikumsmedien wie „Für Sie“, „Brigitte“ und  „Hörzu“ sowie bundesweite Tageszeitungen wie die „Welt am Sonntag“ als Berichterstatter zu gewinnen. Der Weg dorthin gestaltete sich oft steinig, setzte unsere Ausdauer und unser Verhandlungsgeschick mehr als einmal auf die Probe. Und man muss sich bewusst sein, dass neben jedem dieser Erfolge mindestens doppelt so viele ergebnislose Medienansprachen stehen. All das aber gerät in den Hintergrund, wenn man das fertige Belegexemplar endlich in den Händen hält.

Nun, mehr als anderthalb Jahre nach jenem Auftakt an der Spree, ist es Zeit, aus den Tiefen der Meere und Ozeane wiederaufzutauchen. Nun heißt es also einmal tief durchatmen und dann im neuen Jahr mit neuen Projekten durchstarten. Dafür nehmen wir das Gelernte mit, denn in Sachen Wissenschaftskommunikation haben wir viele Erfahrungen gesammelt, dass wir in Zukunft bei anderen Projekten anwenden wollen.

Iris Möbius und Christine Rutke sind PR-Beraterinnen bei KOMPAKTMEDIEN. Obwohl beide als Thüringerinnen eigentlich Landratten sind, haben sie sich mit Begeisterung in die Wellen der Meere und Ozeane gestürzt.

Copyright: BMBF / Wissenschaftsjahr 2016*17