An dieser Stelle präsentiert das Team von KOMPAKTMEDIEN in loser Folge Lieder, die uns das Aufstehen erleichtern, die wir unter der Dusche mit Inbrunst hemmungslos schräg intonieren und die uns auf dem Weg ins Büro auf einen arbeitsreichen Tag einstimmen. Den Anfang macht unsere Redakteurin Katja Wallrafen.
Jeden Tag das gleiche Spiel – „The Worker“ von Fischer-Z (1979)
Mein perfektes Lied für den Weg zur Arbeit ist „The Worker“ von Fischer-Z aus dem Jahr 1979. Hohe Kopfstimme von John Watts, einfache, extrem einschmeichelnde Rhythmen, eine Art beschleunigter Reggae, eine heitere Melodie, ein melancholischer Text über das Leben: Ein kurzer Blick auf einen Mann, der tagtäglich den gleichen Weg mit dem Zug zur Arbeitsstelle zurücklegt, wie ein Uhrwerk, Tag für Tag, Monat für Monat, Jahr für Jahr. Der Vater hat den Musiker dazu inspiriert: „The hated journey on the train, always been the same, looking out windows…“.
Ein Drei-Minuten-Lied, eine Art heitere Akzeptanz des Schrecklichen. Die Unbill des Alltags ist auch mir bekannt, rattere ich doch jeden Tag mit der U-Bahn zur Yorkstraße und beschleunige im U-Bahnhof den Schritt, um dem üblen Uringestank dort zu entkommen. Erklimme sodann die schäbigen Holzstufen zum S-Bahnhof, grüße dabei lächelnd den Zeitungsverkäufer und bedauere bei seinem Anblick, dass wir die Tageszeitung im Abo haben, es wäre doch besser, den Mann zu unterstützen, aber auf der anderen Seite ist es so praktisch, ein Abo zu haben… Jeden Tag das gleiche Spiel.
Bevor ich trübsinnig werde bei diesen Gedankenspielen der bürgerlichen (müsste ich nicht sogar sagen kleinbürgerlichen?) Existenz, sinniere ich auf der letzten Etappe der Fahrt bis zur Oranienburger Straße über die 80er-Jahre nach, denn das war ja die Zeit, in der Fischer-Z Musik machten. Als Kinder ihrer Zeit des Kalten Krieges prangerten die Musiker das Wettrüsten an, ein Anliegen, das auch mir damals am Herzen lag und selbstverständlich war ich dabei, als im Bonner Hofgarten für den Frieden demonstriert wurde. Zu den ganz Verwegenen unter meinen Freunden, die damals „Stoppt den Nato-Doppelbeschluss“ auf die Wand eines alten Bunkers sprühten, gehörte ich allerdings nicht.
Das wird wohl der Grund sein, warum ich auf den Spuren des „Workers“ bin. Und deshalb in der Routine auch manchmal ein Gerüst sehe, etwas Vertrautes, etwas, das tröstlichen Halt gibt im Leben, das im Vergleich zu den 80er-Jahren deutlich unüberschaubarer geworden ist. Aber das wäre ein Thema für ein anderes Lied, das perfekt ist für den Weg zur Arbeit.

