Wie funktioniert Bewegtbild in der politischen Kommunikation?

7. Dezember 2017

Welche Vorteile hat Bewegtbild in der politischen Kommunikation? Bewegtbild-Kommunikation ist die effektivste Form des Storytellings. Wer in der politischen Kommunikation punkten will, ist gut beraten, auf Bewegtbild zu setzen. KOMPAKTMEDIEN hat 2017 zehn Geschichten zur „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Film erzählt.

Von Hans-Georg Moek

Wer in der politischen Kommunikation sein Handeln erklären und legitimieren will, braucht Beispiele, an denen die Relevanz politischer Maßnahmen exemplarisch verstanden wird – die Bedeutung für den Bürger, die Hürden, die damit verbunden sind – eine gute Geschichte, die mich emotional mitnimmt, am besten in Bewegtbild.

Stellen Sie sich vor, Sie hätten tatsächlich die Absicht, ihre Leser schon nach den ersten drei Zeilen ihres Textes zu verlieren. Was wäre zu tun? Den Leser mit der bloßen Aneinanderreihung purer Fakten bis an die Grenzen des Erträglichen zu langweilen. Sie hätten sogar gute Chancen, unerfreuliche Nachrichten über Ihre Einrichtung oder ihr Unternehmen irgendwo im dritten Absatz zu verstecken, zu dem dann vermutlich kaum ein Leser mehr durchdringt.

Nehmen wir einmal folgenden Einstieg: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) erarbeitet mit vielen verschiedenen Partnern Konzepte, um digitale Technologien in der Bildung zu nutzen? Zu abstrakt. Nicht wirklich packend. Zeitungsjournalisten wissen: Wenn sie ihre Leser nicht mit den ersten Sätzen abholen und für ihr Thema interessieren, sinkt die Zahl derer, die bis zu Ende lesen, auf die Größenordnung einer Schülerzeitung.

Storytelling als Grundlage für Bewegtbild in der politischen Kommunikation

Kommunikationsprofis schwören auf Storytelling, das Geschichtenerzählen, eine Methode, Informationen zu vermitteln, indem man sie in eine Geschichte kleidet. Durch eine reale oder fiktionale Erzählung bringen wir Ideen, Wissen, eine Marke oder ein Produkt einem Rezipienten näher. Dazu müssen Informationen natürlich verständlich und ansprechend aufbereitet sein. So werden sie eingängiger und langfristig im Gedächtnis verankert. Gute Geschichten lösen Emotionen aus. Sie werden – so hat die Wissenschaft herausgefunden – vom Gehirn als „Erfahrung“ wie ein echtes Erlebnis abgespeichert. Gesteigert wird das noch durch die Ausschüttung des Glückshormons Dopamin, wenn die Geschichte entsprechend erzählt ist.

Bewegtbild für die politische Kommunikation

Zu den genannten digitalen Technologien in der Bildung haben wir zehn Geschichten erzählt. Die zehn Filme, die Kompaktmedien 2017 produziert hat, veranschaulichen, wie die „Bildungsoffensive für die digitale Wissensgesellschaft“ des BMBF zu Anwendungen führt und Relevanz und Bedeutung für Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Ausbilderinnen und Ausbilder, für Wissenschaft und Forschung gewinnt.

Fit für die Zukunft: Schüler lernen mit dem „Informatik-Biber“.

Da ist das Gymnasium in Meckenheim bei Bonn, wo Schülerinnen und Schüler durch den bundesweiten Wettbewerb „Informatik-Biber“ spielerisch an Informatik herangeführt werden. Ihr Urteil: Das ist besser als Unterricht. In dem Projekt kfz4me produzieren Auszubildende Videos über ihre Lehrinhalte. Im Film sieht man den Machern vom Hönne Berufskolleg in Menden an, wie stolz sie sind, Youtuber zu sein, deren Videos tausendfach im Netz angeklickt werden. 160 Youtube-Videos sind bereits entstanden. Die Auszubildenden bereiten sich mithilfe der Filme mittlerweile auf ihre Prüfungen vor. Über eine Million Views zählt der Kanal mittlerweile.

Für das vom BMBF geförderte Onlineportal Kiron hat die Bewegtbild-Abteilung von KOMPAKTMEDIEN die Geschichte zweier Menschen erzählt, die aus Syrien über das Meer nach Europa geflüchtet sind und heute in Deutschland studieren. Kiron wendet sich vor allem an Geflüchtete, die sich so im Netz schon vor ihrer Hochschulzulassung auf das Studium vorbereiten können.

Welche Vorteile hat Bewegtbild gegenüber Text?

Geschichten, die anrühren, die emotionalisieren, die die Sinnhaftigkeit der digitalen Agenda der Bundesregierung anschaulich machen und Ausbildende darüber nachdenken lassen, wie sie digitale Medien in ihren Unterricht integrieren. Wir haben sie in Bewegtbild erzählt, aus guten Gründen.

Die Vorteile von Bewegtbild gegenüber Text:

  • Unser Gehirn verarbeitet visuelle Informationen besser als Text.
  • Mit Videos werden mehr Sinne angesprochen.
  • Der Inhalt wird besser behalten.
  • Bewegtbild ist dabei, zu DEM Kommunikationsmedium überhaupt zu werden. Alle Studien zeigen, dass nicht nur die Menge an Bewegtbild wächst, auch der Anteil von Videos am gesamten Content im Netz nimmt zu, 2019 werden sie rund 80 Prozent des genutzten Contents im Internet ausmachen.
  • Viele Menschen – auch dazu gibt es Untersuchungen – schauen lieber Filme anstatt Texte zu lesen.
  • Bewegtbild wird mehr und mehr allgegenwärtig. Das ist auch den steigenden Übertragungsraten und der zunehmenden Qualität von Netzwerken zu verdanken.
  • Die ständige Verfügbarkeit von Smartphones führt dazu, dass mittlerweile jeder in der Lage ist, jederzeit und überall mit wenig Aufwand Videos aufzunehmen und zu distribuieren.

Ist Bewegtbild das neue Storytelling?

Die These, dass Bewegtbild das neue Storytelling ist, wäre vielleicht doch zu viel des Guten. Sie vernachlässigt, dass Filmemacher von jeher Geschichten erzählen. Aber: Bewegtbild wird in der Werbung und der politischen Kommunikation goldene Zeiten vorhergesagt. Wenn mehr und mehr Internetnutzer Videos auf Youtube oder auf Webseiten erwarten, dann ist schon heute Bewegtbild nicht mehr nur eine Option sondern fester Bestandteil im Budget für Marketing oder politische Kommunikation.

Hans-Georg Moek bringt bei KOMPAKTMEDIEN Bilder in Bewegung. Unter anderem hat er für das BMBF die Hightech-Strategie der Bundesregierung in Bewegtbild erzählt.  Am liebsten aber bewegt er sich selbst, fernab der Politik und am liebsten ohne Kommunikation.